Kennzahlen im Friseursalon: die 6 Zahlen, die Sie wirklich kennen sollten
"Das Terminbuch ist voll, aber am Monatsende bleibt nichts übrig." Dieser Satz fällt in deutschen Friseursalons oft, und er hat fast immer dieselbe Ursache: Der Salon wird nach Gefühl geführt, nicht nach Zahlen. Ein voller Freitag fühlt sich nach Erfolg an, verdeckt aber den leeren Dienstagvormittag, den Farbtermin, der 30 Minuten länger dauert als kalkuliert, und die vier Kundinnen pro Woche, die einfach nicht erscheinen.
Dabei brauchen Sie weder eine Controlling-Abteilung noch teure Software. Sechs Kennzahlen reichen, um einen Friseursalon zu steuern: Auslastung, Umsatz pro Stunde, Wiederbuchungsquote, No-Show-Quote, Durchschnittsbon und Neukundenanteil. Fünf davon stehen bereits in Ihrem Terminkalender und Ihrer Kundenkartei, die sechste in Ihrer Kasse. Dieser Artikel erklärt für jede Kennzahl, wie Sie sie berechnen, wie Sie sie ablesen, was ein auffälliger Wert bedeutet und welcher Hebel dann greift. Ein durchgerechneter Beispielsalon macht die Zahlen greifbar, und am Ende steht eine Monatsroutine, die eine halbe Stunde kostet. Wer seine Termine online verwaltet, etwa über eine kostenlose Terminbuchung für Friseursalons, hat die Rohdaten dafür ohnehin schon beisammen.
Warum Zahlen gerade jetzt wichtiger sind als Bauchgefühl
Der Markt gibt den Takt vor. Laut der Pressemitteilung des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks vom 29. Juni 2026 stieg der Branchenumsatz 2025 nominal um 2,2 Prozent, die Preise für Friseurdienstleistungen legten im Jahresdurchschnitt um 3,6 Prozent zu, und der Ausblick für 2026 bleibt "verhalten" (ZV, Die wirtschaftliche Lage des Friseurhandwerks, PDF, geprüft am 29. Oktober 2026). Mit anderen Worten: Der Umsatz wächst langsamer als die Preise. Es kommen also weniger Besuche, oder es wird pro Besuch weniger gebucht.
Zahlungsdaten deuten in dieselbe Richtung. Die Auswertung anonymisierter Kartenzahlungen von SumUp ("SumUp-Schnittlas", 29. April 2026) nennt für März 2026 durchschnittlich rund 60 Euro pro Friseurbesuch, nach rund 68 Euro im März 2024, mit großen regionalen Unterschieden (Stuttgart 79,22 Euro, Bremen 39,94 Euro). Die Kundschaft, so SumUp, "strecke die Zeit zwischen Terminen" (SumUp Pressemitteilung, geprüft am 29. Oktober 2026). Das sind Daten eines Zahlungsanbieters, keine amtliche Statistik, und sie erfassen nur Kartenzahlungen über SumUp. Als Tendenz passen sie aber zu dem, was ZV-Hauptgeschäftsführer Holger Stein gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung sagte: Die Zurückhaltung der Kundschaft "drückt die Auslastung vieler Salons" (DHZ, 31. Oktober 2025, geprüft am 29. Oktober 2026).
Wenn Kundinnen seltener kommen und pro Besuch weniger ausgeben, merken Sie das im Gefühl erst, wenn es weh tut. In den Zahlen sehen Sie es Monate früher.
Welche Daten Sie brauchen und wo sie liegen
Die gute Nachricht zuerst: Für fünf der sechs Kennzahlen brauchen Sie nur Ihren Terminkalender und Ihre Kundenkartei, egal ob auf Papier oder digital.
| Kennzahl | Datenquelle | Was Sie zählen |
|---|---|---|
| Auslastung | Terminkalender, Dienstplan | gebuchte Stunden, verfügbare Stunden |
| Umsatz pro Stunde | Kasse plus Terminkalender | Dienstleistungsumsatz, Stunden |
| Wiederbuchungsquote | Terminkalender oder Kundenkartei | Besuche mit Folgetermin |
| No-Show-Quote | Terminkalender | Termine ohne Erscheinen und Absage |
| Durchschnittsbon | Kasse | Dienstleistungsumsatz, Anzahl Besuche |
| Neukundenanteil | Kundenkartei | Erstbesuche unter allen Besuchen |
Ein Hinweis zum Begriff Umsatz: In diesem Artikel ist damit der Dienstleistungsumsatz gemeint, also Haarschnitt, Farbe, Styling. Produktverkauf rechnen Sie am besten getrennt, sonst verzerrt ein guter Shampoo-Monat Ihren Durchschnittsbon. Ob Sie brutto oder netto rechnen, ist Geschmackssache, Hauptsache konsequent: Auf dem Kassenbon steht der Bruttopreis mit 19 Prozent Umsatzsteuer, in Ihrer Gewinnrechnung zählt der Nettobetrag.
Ein digitaler Kalender beschleunigt das Zählen enorm, weil jeder Termin mit Dauer, Leistung und Mitarbeiterin schon strukturiert vorliegt. Zwingend ist er nicht: Ein Papierterminbuch und ein Abend mit Taschenrechner liefern dieselben Zahlen, nur langsamer.
Der Beispielsalon: ein durchgerechneter Monat
Alle Zahlen im Rest des Artikels beziehen sich auf einen erfundenen Salon. Er heißt hier "Salon Haarwerk", und die Werte sind frei gewählt, damit die Rechnungen nachvollziehbar sind. Es sind keine Branchenwerte und keine Zielvorgaben.
| Position | Annahme im Rechenbeispiel (4 Wochen) |
|---|---|
| Team | 3 Stylistinnen, Dienstag bis Samstag |
| Verfügbare Stuhlzeit | 3 × 36 Stunden × 4 Wochen = 432 Stunden |
| Gebuchte Terminzeit | 302 Stunden |
| Gebuchte Termine | 410 |
| Davon nicht erschienen, ohne Absage | 18 |
| Davon kurzfristig abgesagt (unter 24 Stunden), Slot blieb leer | 24 |
| Durchgeführte Besuche | 392 |
| Davon Erstbesuche | 71 |
| Besuche mit direkt vereinbartem Folgetermin | 215 |
| Dienstleistungsumsatz (brutto, inkl. 19 % USt) | 23.520 € |
Damit haben Sie alles, was Sie für die sechs Kennzahlen brauchen.
Kennzahl 1: Auslastung
So berechnen Sie die Auslastung
Auslastung = gebuchte Stunden geteilt durch verfügbare Stunden, mal 100.
Die verfügbaren Stunden sind nicht die Öffnungszeiten, sondern die Zeit, in der tatsächlich jemand am Stuhl stehen könnte: Dienstplanstunden abzüglich Pausen, Urlaub und Krankheit. Im Beispielsalon sind das 432 Stunden in vier Wochen, gebucht waren 302 Stunden: 302 ÷ 432 = 70 Prozent.
Was die Zahl Ihnen sagt
Eine Gesamtauslastung ist ein Durchschnitt und verdeckt genau das, was Sie wissen wollen. Der Beispielsalon kann 70 Prozent haben, weil alle drei Stylistinnen gleichmäßig zu 70 Prozent gebucht sind, oder weil die Inhaberin bei 95 Prozent liegt, die zweite Kollegin bei 75 und die neue Kollegin bei 40. Beides sind völlig andere Probleme. Rechnen Sie die Auslastung deshalb immer dreifach: pro Mitarbeiterin, pro Wochentag und pro Tageshälfte.
Eine Faustregel, die Sie bitte als Erfahrungswert und nicht als Studienergebnis lesen: Dauerhaft über 90 Prozent bedeutet, dass Sie Nachfrage abweisen, dass Puffer fehlen und dass sich jede Verspätung durch den Tag zieht. Dann sind Preis oder Team das Thema, nicht Marketing. Dauerhaft unter 60 Prozent in einzelnen Fenstern heißt: Diese Stunden kosten Miete und Lohn, bringen aber nichts. Wie Sie solche Fenster gezielt füllen, von Online-Buchbarkeit bis zu zeitabhängigen Angeboten, steht im Beitrag über ruhige Zeiten im Friseursalon. Und wenn ein Fenster auch nach einigen Monaten leer bleibt, ist ein angepasster Dienstplan oft die ehrlichere Antwort als Durchhalten.
So lesen Sie sie ab
Im digitalen Kalender öffnen Sie die Wochenansicht pro Mitarbeiterin und zählen die gebuchten Blöcke; leere Spalten springen ins Auge. Im Papierbuch markieren Sie vier typische Wochen und tragen pro Tag und Mitarbeiterin die gebuchten Stunden in eine Tabelle ein. Lassen Sie Ferien- und Feiertagswochen weg, sie verzerren das Bild.
Kennzahl 2: Umsatz pro Stunde
Zwei Varianten, die Sie auseinanderhalten sollten
Umsatz pro Terminstunde = Dienstleistungsumsatz geteilt durch gebuchte Stunden. Im Beispiel: 23.520 € ÷ 302 Stunden = rund 78 € pro Terminstunde (brutto).
Umsatz pro verfügbarer Stunde = Dienstleistungsumsatz geteilt durch verfügbare Stunden. Im Beispiel: 23.520 € ÷ 432 Stunden = rund 54 € pro verfügbarer Stunde (brutto).
Die erste Zahl sagt, was eine gebuchte Stunde wert ist, und entlarvt Leistungen, deren Preis nicht zur Dauer passt. Die zweite Zahl sagt, was jede bezahlte Arbeitsstunde Ihres Teams tatsächlich einbringt, inklusive Leerlauf. Der Abstand zwischen beiden, hier 24 € pro Stunde, ist der Preis Ihrer Lücken.
Was die Zahl Ihnen sagt
Der Umsatz pro Terminstunde lohnt sich pro Leistung. Eine Balayage für 150 € in zweieinhalb Stunden bringt 60 € pro Stunde; ein Herrenhaarschnitt für 33 € in 30 Minuten bringt 66 €. Wenn die Balayage in Wirklichkeit drei Stunden blockiert, sind es nur noch 50 €. Deshalb hängt diese Kennzahl direkt an ehrlichen Termindauern im Leistungskatalog, ein Thema, das wir im Artikel über Farbtermine und Einwirkzeiten vertieft haben.
Der Umsatz pro verfügbarer Stunde ist die Kennzahl, die mit Ihren Personalkosten verglichen gehört. Nach Angaben von Dirk Reisacher, Vorstandsmitglied des Zentralverbands, entfallen in Friseursalons 50 bis 60 Prozent der Kosten auf Löhne und Lohnnebenkosten, und als grobe Faustregel müsse eine Mitarbeiterin "etwa das Vierfache ihres Lohns an Umsatz erwirtschaften" (DHZ, 19. März 2025, geprüft am 29. Oktober 2026). Eine Faustregel ersetzt keine Kalkulation, aber sie zeigt die Richtung: Steigt der Lohn, muss der Umsatz je verfügbarer Stunde mitziehen, über Preis, Auslastung oder beides.
So lesen Sie sie ab
Den Dienstleistungsumsatz liefert Ihre Kasse oder Ihr Kassenbuch, getrennt nach Mitarbeiterin, wenn Ihre Kasse das kann. Die Stunden kommen aus dem Kalender, siehe Kennzahl 1. Wer die Kasse nicht nach Mitarbeiterin trennen kann, rechnet zunächst nur für den Salon insgesamt; das ist besser als gar nicht.
Kennzahl 3: Wiederbuchungsquote
So berechnen Sie die Wiederbuchungsquote
Wiederbuchungsquote = Besuche, bei denen direkt der nächste Termin vereinbart wurde, geteilt durch alle durchgeführten Besuche, mal 100. Im Beispiel: 215 ÷ 392 = 55 Prozent.
Es gibt eine zweite, trägere Definition: der Anteil der Kundinnen, die innerhalb von zum Beispiel 90 Tagen wiederkommen, egal ob der Termin am Stuhl oder später gebucht wurde. Sie ist genauer, braucht aber eine Kundenkartei mit Besuchshistorie und einen Blick zurück. Für den Anfang reicht die erste Variante, die Sie an der Kasse mitzählen können.
Was die Zahl Ihnen sagt
Die Wiederbuchungsquote ist die Kennzahl mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung, weil sie fast komplett in Ihrer Hand liegt. Sie hängt nicht vom Markt ab, sondern davon, ob jedes Teammitglied bei jedem Abschied die Frage nach dem nächsten Termin stellt. Rechnen Sie sie unbedingt pro Mitarbeiterin: Wenn eine Kollegin bei 75 Prozent liegt und eine andere bei 30, ist das kein Zahlenproblem, sondern ein Gesprächsthema im Team. Wie der Satz am Stuhl klingt, der nach Fürsorge und nicht nach Verkauf klingt, und wie Sie Kundinnen erkennen, die aus dem Rhythmus fallen, haben wir im Artikel über Kundenbindung und Wiederbuchung ausführlich beschrieben.
Ein weiterer Grund, diese Zahl ernst zu nehmen: Wenn die Kundschaft laut SumUp "die Zeit zwischen Terminen streckt", ist der direkt vereinbarte Folgetermin der wirksamste Weg, den Rhythmus zu halten. Eine Kundin mit festem Termin in sechs Wochen kommt in sechs Wochen; eine Kundin, die "sich meldet", kommt in neun.
So lesen Sie sie ab
Am einfachsten mit einer Strichliste an der Kasse für vier Wochen: ein Strich pro Besuch, ein zweiter Strich, wenn ein Folgetermin eingetragen wurde, pro Mitarbeiterin. Im digitalen Kalender öffnen Sie die Kundin nach dem Besuch und sehen, ob ein künftiger Termin eingetragen ist.
Kennzahl 4: No-Show-Quote
So berechnen Sie die No-Show-Quote
No-Show-Quote = Termine, zu denen niemand erschienen ist und die nicht abgesagt wurden, geteilt durch alle gebuchten Termine, mal 100. Im Beispiel: 18 ÷ 410 = 4,4 Prozent.
Zählen Sie kurzfristige Absagen, bei denen der Platz leer blieb, getrennt und zusätzlich. Im Beispiel waren das 24 weitere Termine; zusammen mit den No-Shows blieben 42 von 410 Terminen ungenutzt, also rund 10 Prozent. Beide Zahlen sind wichtig, aber sie verlangen unterschiedliche Maßnahmen: Gegen Vergessen helfen Erinnerungen, gegen kurzfristige Absagen hilft, dass der frei gewordene Slot sofort wieder buchbar ist.
Was die Zahl Ihnen sagt
Die No-Show-Quote ist die Kennzahl, die am direktesten in Euro übersetzbar ist. Im Beispielsalon kosteten 18 No-Shows bei einem Durchschnittsbon von 60 € rund 1.080 € Umsatz in vier Wochen, und das sind nur die stummen Ausfälle. Wichtig: Das ist entgangener Umsatz, nicht entgangener Gewinn, denn Farbe und Strom für den leeren Stuhl haben Sie gespart. Die Lohnkosten für die Stunde laufen aber weiter. Deshalb trifft ein No-Show den Gewinn härter, als es die reine Umsatzzahl vermuten lässt.
Beobachten Sie zusätzlich die Verteilung: Häufen sich Ausfälle bei einer bestimmten Leistung, an einem Wochentag, bei Neukundinnen oder bei einer kleinen Gruppe von Wiederholungsfällen? Jede dieser Antworten führt zu einer anderen Maßnahme, von Erinnerungen über klare Stornoregeln bis zu verbindlicheren Buchungen für Langtermine. Den kompletten Maßnahmenkatalog finden Sie im Leitfaden, wie Sie No-Shows im Friseursalon reduzieren.
So lesen Sie sie ab
Dafür braucht es eine Gewohnheit: Jeder Termin, zu dem niemand kam, wird im Kalender als solcher markiert, am selben Tag, von der Person, die am Stuhl gewartet hat. Ohne diese Markierung ist die Zahl nach vier Wochen nicht mehr rekonstruierbar. Im Papierbuch genügt ein festes Kürzel; in ViteUneCoupe können Sie einen Termin in der Terminverwaltung auf den Status "No-Show" setzen, und er bleibt in der Historie der Kundin sichtbar.
Kennzahl 5: Durchschnittsbon
So berechnen Sie den Durchschnittsbon
Durchschnittsbon = Dienstleistungsumsatz geteilt durch durchgeführte Besuche. Im Beispiel: 23.520 € ÷ 392 = 60 € pro Besuch (brutto).
Was die Zahl Ihnen sagt
Der Durchschnittsbon zeigt, wie viel pro Besuch gebucht wird, und reagiert auf zwei Dinge: auf Ihre Preise und auf die Zusammensetzung der Leistungen. Steigt er nach einer Preiserhöhung um genau deren Prozentsatz, hat die Kundschaft die Erhöhung akzeptiert, ohne Leistungen zu streichen. Sinkt er trotz höherer Preise, wird pro Besuch weniger gebucht: Die Ansatzfarbe fällt weg, aus Schneiden und Föhnen wird nur Schneiden. Genau diese Entwicklung beschreibt SumUp mit dem Rückgang von rund 68 auf rund 60 Euro pro Besuch zwischen März 2024 und März 2026.
Vergleichen Sie Ihren Wert nicht blind mit solchen Durchschnitten. Ein Salon mit vielen Herrenhaarschnitten hat strukturell einen niedrigeren Bon als ein Farbsalon, und beide können profitabel sein. Die NRW-Verbandsumfrage, die die Deutsche Handwerks Zeitung im Oktober 2025 zitiert, nennt für Waschen, Schneiden und Föhnen rund 54 Euro bei Frauen und 33 Euro bei Männern; das sind Preise, keine Bons, und sie zeigen vor allem, wie stark das Leistungsmix den Durchschnitt prägt. Entscheidend ist die Entwicklung Ihres eigenen Werts von Monat zu Monat, getrennt nach Leistungsgruppe, wenn Ihre Kasse das hergibt.
So lesen Sie sie ab
Aus dem Kassenabschluss: Dienstleistungsumsatz des Monats geteilt durch die Zahl der Besuche. Die Besuche zählen Sie im Kalender, abzüglich No-Shows. Wer Kassenbons pro Mitarbeiterin ziehen kann, erhält den Bon pro Stylistin, der oft mehr erklärt als jede Schulung.
Kennzahl 6: Neukundenanteil
So berechnen Sie den Neukundenanteil
Neukundenanteil = Erstbesuche geteilt durch alle durchgeführten Besuche, mal 100. Im Beispiel: 71 ÷ 392 = 18 Prozent.
Was die Zahl Ihnen sagt
Diese Kennzahl wird gern falsch gelesen. Ein hoher Neukundenanteil klingt nach erfolgreichem Marketing, kann aber bedeuten, dass Sie Stammkundschaft verlieren und durch Laufkundschaft ersetzen: Der Salon läuft dann auf einem Laufband, das immer schneller wird. Ein sehr niedriger Anteil ist bequem, bis die Stammkundschaft älter wird oder wegzieht. Lesen Sie den Neukundenanteil deshalb nie allein, sondern zusammen mit der Wiederbuchungsquote: Hoher Neukundenanteil plus niedrige Wiederbuchung ist das Warnsignal, nicht die hohe Zahl für sich.
Interessant ist außerdem die Frage, wie viele Erstbesucherinnen innerhalb von drei Monaten ein zweites Mal kommen. Diese Zahl verrät mehr über die Qualität Ihres Erstbesuchs als jede Bewertung. Sie braucht allerdings eine Kundenkartei mit Besuchshistorie und etwas Geduld.
So lesen Sie sie ab
In der Kundenkartei ist ein Erstbesuch die Kundin, zu der es vor diesem Termin keinen Eintrag gab. Digital ist das ein Blick in die Historie; im Papiersystem eine neue Karteikarte. Woher die Neukundinnen kommen (Google, Empfehlung, Instagram), erfahren Sie nur durch Fragen am Stuhl; welche Daten Sie dabei notieren dürfen, regelt die DSGVO, zusammengefasst im Artikel zur Kundenkartei und DSGVO im Friseursalon.
Umsatz ist nicht Gewinn: die Rechnung, die oft fehlt
Alle sechs Kennzahlen drehen sich um Umsatz und Zeit. Keine davon sagt, ob Ihr Salon Geld verdient. Deshalb gehört zur Monatsroutine eine siebte, grobe Rechnung, weiter am Beispielsalon:
| Position | Rechenbeispiel (4 Wochen) |
|---|---|
| Dienstleistungsumsatz brutto | 23.520 € |
| Abzüglich 19 % Umsatzsteuer | 19.765 € netto |
| Personalkosten (Annahme 55 % der Gesamtkosten, Gesamtkosten im Beispiel 18.000 €) | 9.900 € |
| Übrige Kosten (Miete, Energie, Material, Versicherungen, Software, Steuerberatung) | 8.100 € |
| Bleibt vor Einkommensteuer und Unternehmerlohn | 1.765 € |
Die Umsatzsteuer gehört nicht Ihnen, auch wenn sie auf dem Bon steht; wer unter die Kleinunternehmerregelung fällt, rechnet anders, siehe den Artikel zur Kleinunternehmerregelung im Friseursalon. Die Kostenannahmen oben sind erfunden und dienen nur dazu, die Größenordnung zu zeigen: Aus 23.520 € Umsatz werden im Beispiel 1.765 €, bevor die Inhaberin sich selbst bezahlt hat. Das ist der Grund, warum ein Salon mit vollem Terminbuch pleitegehen kann, und warum die sechs Kennzahlen immer mit Blick auf diese letzte Zeile gelesen werden müssen: Jede Stunde Leerlauf, jeder No-Show und jeder zu knapp kalkulierte Farbtermin wird nicht vom Umsatz abgezogen, sondern von den 1.765 €.
Ihre echten Kosten kennt Ihre Steuerberaterin oder Ihr Steuerberater aus der betriebswirtschaftlichen Auswertung. Bitten Sie einmal darum, die Kostenblöcke in Prozent vom Umsatz zu bekommen; ab dann können Sie die Gewinnwirkung jeder Kennzahl selbst abschätzen, und aus denselben Kostenblöcken leiten Sie Ihren Stundensatz ab, wie der Beitrag zur Preiskalkulation im Friseursalon zeigt. Dieser Abschnitt ist eine betriebswirtschaftliche Orientierung, keine Steuerberatung.
Die Monatsroutine: 30 Minuten, sechs Zahlen, eine Tabelle
Kennzahlen wirken nur, wenn Sie sie regelmäßig erheben, immer gleich berechnen und nebeneinanderlegen. Eine einfache Tabelle, jeden Monat eine Zeile:
| Monat | Auslastung | Umsatz je verfügbarer Stunde | Wiederbuchung | No-Show-Quote | Ø-Bon | Neukundenanteil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Beispielmonat | 70 % | 54 € | 55 % | 4,4 % | 60 € | 18 % |
| Folgemonat |
Drei Regeln dazu:
- Vergleichen Sie mit sich selbst, nicht mit der Branche. Branchenwerte wie der SumUp-Durchschnitt sind Kontext, kein Ziel. Ihr Vormonat und derselbe Monat des Vorjahres sind die einzigen fairen Vergleiche, denn Dezember und Juli sind nie gleich.
- Eine Kennzahl, eine Maßnahme, ein Monat. Wer gleichzeitig Preise ändert, einen Rabatt startet und Erinnerungen einführt, weiß am Ende nicht, was gewirkt hat. Drehen Sie an einem Hebel und messen Sie den nächsten Monat erneut.
- Pro Mitarbeiterin rechnen, im Team besprechen. Auslastung, Wiederbuchung und Bon pro Stylistin sind keine Kontrollinstrumente, sondern Gesprächsgrundlage. Wer seine eigene Wiederbuchungsquote kennt, verbessert sie meist von selbst.
Die Routine dauert eine halbe Stunde am Monatsanfang: Kassenabschluss ziehen, Kalender zählen, Kartei durchsehen, Zeile eintragen. Dieselbe Tabelle ist später bares Geld wert, wenn Sie Ihren Friseursalon verkaufen wollen: Käufer zahlen für belegte Zahlen, nicht für Eindrücke. Mit einem Papierterminbuch dauert sie länger; wenn das der Grund ist, warum Sie es nicht tun, lesen Sie den Beitrag zum Wechsel vom Papier-Terminbuch zum digitalen Kalender.
Was ViteUneCoupe dazu liefert und was ehrlicherweise nicht
ViteUneCoupe ist ein Terminbuchungstool für Friseursalons eines französischen Anbieters, auf Deutsch verfügbar. Es liefert die Rohdaten für fünf der sechs Kennzahlen, aber keine fertige Auswertung:
- Kostenlos, dauerhaft: Kalender mit Dauer, Leistung und Mitarbeiterin je Termin, Mitarbeiterplanung, Leistungskatalog mit Preisen, Kundenkartei mit der Terminhistorie jeder Kundin, eigene Buchungsseite mit unbegrenzten Online-Buchungen und 0 % Provision. Ein Termin, zu dem niemand kam, lässt sich auf den Status "No-Show" setzen.
- Standard-Tarif (29 € zzgl. MwSt. pro Monat, monatlich kündbar): Bestätigungs-, Erinnerungs- und Dankes-E-Mails sowie Kalendersynchronisation per ICS, also die Werkzeuge, die auf No-Show-Quote und Wiederbuchung wirken. SMS gibt es in keinem Tarif.
- Was es nicht gibt: kein Kennzahlen-Dashboard, keine Umsatzauswertung, keine Kasse. Auslastung, Wiederbuchung, No-Shows und Neukundenanteil lesen Sie wie oben beschrieben aus Kalender und Kundenkartei ab; der Umsatz kommt aus Ihrer Kasse. Wer eine Software mit eingebauten Statistiken und Kasse sucht, findet im Vergleich der Terminsoftware für Friseursalons Anbieter, die genau das zu ihrem Monatspreis anbieten.
Der Anti-No-Show-Schutz über die Hinterlegung der Bankkarte ist im Tarif Standard + Anti No-Show für 49 € zzgl. MwSt. pro Monat als "bald verfügbar" angekündigt und noch nicht buchbar.
Häufig gestellte Fragen
Welche Kennzahl sollte ich als Erstes erheben, wenn ich nur eine schaffe?
Die Auslastung pro Mitarbeiterin und Wochentag. Sie ist mit dem Kalender allein zu berechnen, braucht keine Kassendaten und zeigt sofort, ob Ihr Problem leere Stunden, ein überlastetes Teammitglied oder ein ganzer Wochentag ist. Die No-Show-Quote ist der naheliegende zweite Schritt, weil sie sich direkt in Euro übersetzen lässt.
Was ist eine gute Auslastung für einen Friseursalon?
Es gibt dafür keine belastbare deutsche Branchenstatistik, deshalb nennen wir keine Zielzahl. Als Erfahrungswert gilt: Dauerhaft über 90 Prozent heißt abgewiesene Nachfrage und fehlende Puffer, dauerhaft unter 60 Prozent in einzelnen Fenstern heißt bezahlte Stunden ohne Umsatz. Entscheidend ist die Entwicklung Ihres eigenen Werts, aufgeschlüsselt nach Mitarbeiterin und Wochentag.
Wie berechne ich den Umsatz pro Stunde im Friseursalon richtig?
Zweimal: Dienstleistungsumsatz geteilt durch gebuchte Stunden ergibt den Umsatz pro Terminstunde, der zeigt, ob Preis und Dauer einer Leistung zusammenpassen. Dienstleistungsumsatz geteilt durch verfügbare Stunden ergibt den Umsatz pro bezahlter Arbeitsstunde inklusive Leerlauf, der mit den Personalkosten verglichen gehört. Rechnen Sie konsequent entweder brutto oder netto.
Warum sinkt mein Gewinn, obwohl der Umsatz steigt?
Weil Umsatz nicht Gewinn ist. Steigen die Preise um 3,6 Prozent wie 2025 im Branchendurchschnitt, die Personalkosten aber stärker, bleibt trotz höherem Umsatz weniger übrig. Prüfen Sie den Umsatz je verfügbarer Stunde gegen Ihre Lohnkosten, den Durchschnittsbon gegen Ihre Preisliste und die Auslastung auf Leerlauf. Die betriebswirtschaftliche Auswertung Ihrer Steuerberatung zeigt, welcher Kostenblock davongelaufen ist.
Brauche ich eine Software mit Reporting, um Kennzahlen zu führen?
Nein. Alle sechs Kennzahlen lassen sich aus Terminkalender, Kundenkartei und Kassenabschluss berechnen, auch auf Papier. Ein digitaler Kalender macht das Zählen deutlich schneller, weil Dauer, Leistung und Mitarbeiterin je Termin bereits strukturiert vorliegen. ViteUneCoupe liefert diese Rohdaten kostenlos, hat aber kein Kennzahlen-Dashboard und keine Kasse; die Auswertung bleibt Ihre halbe Stunde im Monat.