Friseur-Termine ohne Plattform: Direktbuchung vs. Treatwell, Planity und Fresha
Jede Buchung, die über einen Marktplatz wie Treatwell in Ihren Salon kommt, fühlt sich zunächst wie ein Gewinn an: ein voller Stuhl, ein neuer Name in der Kundenkartei. Die eigentliche Frage stellt sich erst später. Wem gehört diese Kundin eigentlich, wenn sie das nächste Mal buchen will: Ihrem Salon oder der Plattform?
Für Friseursalons in Deutschland ist das keine theoretische Frage. Marktplätze finanzieren sich über Provisionen und Abogebühren, und ihr Geschäftsmodell funktioniert am besten, wenn Kundinnen und Kunden über die Plattform buchen statt direkt bei Ihnen. Eine eigene Buchungsseite ohne Provision dreht diese Logik um: Sie zahlen nichts pro Buchung, und die Kundenbeziehung bleibt vollständig bei Ihnen.
Dieser Artikel rechnet beide Modelle ehrlich durch: was die in Deutschland aktiven Plattformen laut ihren eigenen Preisseiten kosten (Stand: Oktober 2026), wann ein Marktplatz trotzdem sinnvoll ist und wie Sie Stammkunden Schritt für Schritt auf Direktbuchung umstellen.
Marktplatz oder Direktbuchung: der Unterschied in einem Satz
Ein Marktplatz (Treatwell, Fresha Marketplace) ist ein Verzeichnis mit eigenem Publikum: Verbraucher suchen dort nach einem Friseurtermin in ihrer Nähe, die Plattform vermittelt die Buchung und verdient an der Vermittlung. Ein Direktbuchungstool stellt Ihnen eine eigene Buchungsseite, bringt aber kein eigenes Publikum mit: Die Kundinnen kommen über Ihre Website, Ihr Google-Unternehmensprofil, Ihre Social-Media-Profile oder schlicht, weil sie Sie kennen.
Beides sind legitime Werkzeuge mit unterschiedlichen Aufgaben. Problematisch wird es nur, wenn ein Salon dauerhaft Vermittlungsgebühren für Kundinnen zahlt, die längst Stammkundinnen sind.
Was Buchungsplattformen Friseursalons wirklich kosten
Alle folgenden Angaben stammen von den offiziellen deutschen Seiten der Anbieter und wurden am 11. Oktober 2026 geprüft. Preise können sich ändern: Prüfen Sie vor einer Entscheidung immer die aktuelle Preisseite.
Treatwell: Abo plus Neukundenprovision
Treatwell nennt auf seiner deutschen Preisseite zwei Tarife: Starter für 39 € pro Monat und Advanced für 49 € pro Monat (plus 7,50 € TSE-Gebühr), alle Gebühren und Provisionen zzgl. MwSt. Dazu kommt eine Neukundenprovision für Buchungen über den Treatwell-Marktplatz, deren Höhe laut Preisseite "je nach Standort unterschiedlich" ist: In den FAQ der Preisseite werden 35 % genannt, verbindlich ist aber nur das Angebot für Ihren Standort. Erneute Marktplatz-Buchungen derselben Person sind mit 0 % Provision ausgewiesen, für Online-Vorauszahlungen fallen 2 % Gebühr an. Verträge gibt es monatlich oder jährlich.
Wichtig für Ihre Kalkulation: Fragen Sie vor Vertragsabschluss schriftlich nach der konkreten Provisionshöhe für Ihren Standort und danach, wie genau "Neukunde" definiert ist. Wer Alternativen prüfen will, findet in unserem Überblick zu Treatwell-Alternativen für Friseursalons einen ausführlichen Vergleich.
Fresha: Abo plus Zahlungsgebühren, Marktplatz-Neukunden laut Preisseite kostenlos
Fresha ist vom früheren Modell "kostenlos plus Neukundengebühr" auf ein Abo umgestiegen. Die offizielle deutsche Preisseite nennt (Stand: 11. Oktober 2026) 14,95 € pro Monat für Selbstständige und 9,95 € pro Monat je Teammitglied im Team-Tarif. Neukunden über den Fresha Marketplace sind dort aktuell als "Kostenlos" ausgewiesen. Dafür verdient Fresha an der Zahlungsabwicklung: 1,29 % + 0,15 € pro Online-Transaktion, 0,59 % + 0,15 € bei Zahlung vor Ort, 4,99 % + 0,50 € bei "Buy now, pay later" über Klarna.
Fair bleibt festzuhalten: Ältere Vergleichsartikel nennen noch eine Marktplatz-Gebühr von 20 % auf die Erstbuchung. Auf der aktuellen deutschen Preisseite steht davon nichts mehr, aber gerade weil sich solche Modelle ändern, lohnt der Blick ins Kleingedruckte vor der Anmeldung.
Planity: Monatslizenz, Preise nicht öffentlich
Planity betreibt in Deutschland ein Buchungsportal mit eigenem Publikum und wirbt auf seiner Partnerseite mit "keine versteckten Gebühren, keine Provisionen". Konkrete Monatspreise veröffentlicht Planity auf seinen deutschen Seiten jedoch nicht (geprüft am 11. Oktober 2026): Interessenten werden in ein Beratungsgespräch geleitet. "Auf der Website nicht dokumentiert" heißt nicht automatisch "teuer", aber es heißt: Sie können die Kosten nicht vergleichen, ohne vorher mit dem Vertrieb zu sprechen. Lassen Sie sich Preis, Laufzeit und Kündigungsfrist immer schriftlich geben.
Die Kosten im Überblick
| Anbieter | Grundgebühr (lt. offizieller DE-Preisseite) | Vermittlungskosten Marktplatz | Zahlungsgebühren | Geprüft |
|---|---|---|---|---|
| Treatwell | Starter 39 €/Monat, Advanced 49 €/Monat zzgl. MwSt. | Neukundenprovision (FAQ: 35 %, standortabhängig); 0 % bei erneuten Buchungen | 2 % auf Online-Vorauszahlungen | Okt. 2026 |
| Fresha | 14,95 €/Monat solo, 9,95 €/Monat je Teammitglied | Marktplatz-Neukunden laut Preisseite kostenlos | ab 1,29 % + 0,15 € online | Okt. 2026 |
| Planity | Nicht öffentlich, nur auf Anfrage | Wirbt mit "keine Provisionen" | Nicht öffentlich dokumentiert | Okt. 2026 |
| ViteUneCoupe (Direktbuchung) | Kostenlos; Standard 29 € zzgl. MwSt./Monat, monatlich kündbar | Kein Marktplatz, 0 % Provision, dauerhaft | Keine Zahlungsabwicklung | Okt. 2026 |
Wer über die reinen Plattformen hinaus Terminsoftware vergleichen möchte, findet in unserem großen Vergleich von Terminsoftware für Friseursalons die ausführliche Gegenüberstellung.
Wem gehört die Kundenbeziehung?
Geld ist nur die halbe Rechnung. Die andere Hälfte ist die Frage, wer die Beziehung zur Kundin kontrolliert:
- Das Profil: Auf einem Marktplatz ist Ihr Salon ein Eintrag unter vielen. Direkt neben Ihrem Profil werden Mitbewerber aus Ihrer Straße angezeigt, teils mit Rabattaktionen. Ihre eigene Buchungsseite zeigt genau einen Salon: Ihren.
- Die Daten: Bucht eine Kundin über einen Marktplatz, hat sie dort ein Konto, und die Plattform darf sie (im Rahmen ihrer eigenen Einwilligungen) mit Angeboten bespielen, auch mit Angeboten anderer Salons. Bei Direktbuchung landen Name, Kontaktdaten und Terminhistorie in Ihrer eigenen Kundenkartei.
- Die Gewohnheit: Wer dreimal über eine Plattform gebucht hat, öffnet beim vierten Mal wieder die Plattform. Buchungsgewohnheiten sind träge, und genau darauf setzen Marktplätze. Jede Direktbuchung trainiert dagegen die Gewohnheit, direkt zu Ihnen zu kommen.
- Die Abhängigkeit: Ändert die Plattform Provisionen, Ranking-Logik oder Vertragsbedingungen, können Sie wenig dagegen tun, solange ein relevanter Teil Ihrer Buchungen darüber läuft.
Wann ein Marktplatz sich trotzdem lohnt
Ehrlich betrachtet gibt es Situationen, in denen ein Marktplatz genau das richtige Werkzeug ist:
- Neueröffnung: Ein frisch eröffneter Salon hat weder Stammkundschaft noch Google-Bewertungen. Ein Marktplatz mit echtem Publikum kann die ersten Monate überbrücken, in denen sonst Stühle leer blieben. Eine Neukundenprovision für eine Kundin, die ohne die Plattform nie gekommen wäre, ist gut investiertes Geld.
- Strukturell leere Zeiten: Wer dienstagvormittags regelmäßig Leerlauf hat, kann diese Slots gezielt über einen Marktplatz füllen. Ein besetzter Stuhl mit Provision bringt mehr Umsatz als ein leerer ohne.
- Neue Mitarbeiterin ohne eigenen Kundenstamm: Auch hier kann zugekaufte Reichweite schneller sein als organisches Wachstum.
Das Problem ist nie der Marktplatz an sich, sondern der Dauerzustand: wenn Stammkundinnen, die sowieso wiederkommen würden, Jahr für Jahr über die Plattform buchen und der Salon für diese Bequemlichkeit weiter zahlt, mit Geld, Daten oder beidem.
Rechenbeispiel: was Vermittlung kostet und was Direktbuchung kostet
Ein bewusst vereinfachtes Rechenbeispiel, keine Statistik: Angenommen, ein Marktplatz berechnet an Ihrem Standort 30 % Provision auf die Erstbuchung. Bei einer Erstbuchung über 60 € (Schnitt plus Farbe) gehen 18 € an die Plattform. Kommen über ein Jahr 100 echte Neukundinnen so in den Salon, sind das 1.800 € Vermittlungskosten, zusätzlich zur Monatsgebühr.
Ob sich das lohnt, hängt davon ab, was danach passiert. Bleibt die Hälfte dieser Neukundinnen und bucht künftig direkt bei Ihnen, waren 18 € pro gewonnener Stammkundin ein fairer Preis. Buchen dieselben Kundinnen aber aus Gewohnheit weiter über die Plattform, haben Sie dauerhaft eine Vertriebsschicht zwischen sich und Ihrer eigenen Kundschaft, und die Plattform entscheidet mit, welche Angebote diese Kundinnen als Nächstes sehen.
Die Direktbuchungs-Rechnung ist schlichter: Eine kostenlose Buchungsseite mit 0 % Provision kostet pro Buchung exakt nichts, egal ob Neukundin oder Stammkundin. Dafür müssen Sie die Reichweite selbst aufbauen. Beides zu kennen ist die Grundlage einer ehrlichen Entscheidung.
Wichtig bei allen solchen Rechnungen: Es geht um Umsatz, nicht um Gewinn. Von den 60 € bleiben nach Material, Miete, Lohn und Steuern deutlich weniger übrig, was Provisionen prozentual noch schwerer wiegen lässt.
So verlagern Sie Stammkunden Schritt für Schritt auf Direktbuchung
Der realistische Weg ist kein harter Schnitt, sondern eine Verlagerung über einige Monate:
1. Eigene Buchungsseite einrichten
Ohne direkten Buchungsweg gibt es nichts zu verlagern. Eine eigene Buchungsseite mit Leistungskatalog, Preisen und Echtzeit-Verfügbarkeit ist die Grundlage; wie Sie die Online-Terminbuchung auf der eigenen Website einbinden, haben wir separat beschrieben. Wichtig: Die Seite muss ohne Konto-Zwang und in unter einer Minute buchbar sein, sonst verliert sie gegen die Gewohnheit der Plattform-App.
2. Google-Unternehmensprofil verknüpfen
Die meisten Menschen suchen einen Friseur nicht auf einer Beauty-Plattform, sondern bei Google ("Friseur + Stadtteil"). Ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil für Ihren Friseursalon mit Link auf Ihre eigene Buchungsseite fängt genau diese Suchen ab, bevor eine Plattform sie abfangen kann, und kostet nichts.
3. Den Buchungslink überall dort platzieren, wo Ihre Kundinnen ohnehin sind
E-Mail-Signatur, Instagram-Bio, Facebook-Seite, WhatsApp-Status, Website-Startseite, QR-Code am Empfangstresen und auf der Visitenkarte: Jeder Kontaktpunkt bekommt denselben Link. Das kostet einen Nachmittag und wirkt dauerhaft.
4. Im Salon aktiv ansprechen
Der wirksamste Kanal ist das Gespräch an der Kasse: "Den nächsten Termin können Sie direkt über unsere Seite buchen, da sehen Sie sofort meine freien Zeiten." Wer mag, legt den QR-Code daneben und lässt die Kundin den Folgetermin noch im Salon buchen. Stammkundinnen tun Ihrem Salon damit einen Gefallen, und die meisten machen gern mit, wenn man es ihnen einmal erklärt.
5. Den Marktplatz auf seine eigentliche Aufgabe zurückstutzen
Wenn die Direktbuchung läuft, können Sie den Marktplatz bewusst als reinen Neukundenkanal weiterführen (und nur dann bezahlen, wenn er wirklich Neue bringt) oder ihn ganz verlassen. Beides ist legitim; entscheidend ist, dass es Ihre Entscheidung ist und keine Abhängigkeit.
Wo ViteUneCoupe in dieser Rechnung steht
ViteUneCoupe ist bewusst das Gegenmodell zum Marktplatz, mit allen Konsequenzen, auch den unbequemen: ViteUneCoupe bringt kein eigenes Publikum mit. Es gibt kein Verzeichnis, in dem Verbraucher nach Salons suchen. Die Reichweite kommt von Ihnen: Google-Unternehmensprofil, Website, Empfehlungen. Außerdem ist ViteUneCoupe ein reines Terminbuchungstool eines französischen Anbieters (auf Deutsch verfügbar), keine komplette Salonverwaltung: keine Kasse, keine Warenwirtschaft, keine Lohnabrechnung.
Dafür ist das Kostenmodell so einfach, wie es im Plattformvergleich oben aussieht:
- Kostenlose Version, dauerhaft: unbegrenzte Online-Buchungen mit 0 % Provision, für immer, eigene Buchungsseite, Leistungskatalog mit Dauer und Preisen, Mitarbeiterpläne, Kundenkartei und Kalender. Keine Kreditkarte nötig.
- Standard-Tarif, 29 € zzgl. MwSt. pro Monat, monatlich kündbar: Bestätigungs-, Erinnerungs- und Danke-E-Mails, Kalender-Synchronisation per ICS. Erinnerungen laufen per E-Mail; SMS bietet ViteUneCoupe nicht an.
- Standard + Anti-No-Show, 49 € zzgl. MwSt. pro Monat, bald verfügbar: Schutz vor Terminausfällen über die Hinterlegung der Bankkarte, noch nicht buchbar.
Für Salons mit bestehender Kundschaft, die ihre Stammkunden provisionfrei direkt buchen lassen wollen, ist das der kürzeste Weg. Für eine Neueröffnung ohne jede Reichweite kann die ehrliche Antwort lauten: zunächst beides, Marktplatz für Neukunden, Direktbuchung für alle, die wiederkommen.
Häufig gestellte Fragen
Lohnt sich Treatwell für meinen Friseursalon?
Das hängt davon ab, wie viele echte Neukunden die Plattform Ihnen bringt. Treatwell berechnet laut seiner deutschen Preisseite (Stand: Oktober 2026) 39 bis 49 € pro Monat zzgl. MwSt. plus eine standortabhängige Neukundenprovision, deren Höhe dort nicht veröffentlicht wird. Für einen neuen Salon ohne Kundschaft kann das aufgehen; für einen Salon, dessen Buchungen überwiegend von Stammkunden kommen, zahlen Sie vor allem für Vermittlung, die Sie nicht brauchen. Fragen Sie die konkrete Provisionshöhe für Ihren Standort schriftlich an, bevor Sie unterschreiben.
Kann ich Marktplatz und eigene Buchungsseite parallel nutzen?
Ja, und für viele Salons ist das die realistischste Übergangsphase: Der Marktplatz bleibt reiner Neukundenkanal, während Stammkundinnen über die eigene Buchungsseite buchen. Achten Sie darauf, Doppelbuchungen zu vermeiden, indem Sie Verfügbarkeiten sauber pflegen, und messen Sie ehrlich, wie viele Plattform-Buchungen wirklich von Neukunden kommen.
Verliere ich Kunden, wenn ich eine Plattform verlasse?
Kurzfristig kann ein Teil der Buchungen wegfallen, vor allem von Kundinnen, die nur die Plattform-App nutzen. Deshalb ist die Reihenfolge wichtig: erst die eigene Buchungsseite aufbauen, den Link über Google-Unternehmensprofil, Social Media und das Gespräch im Salon etablieren, und erst dann den Marktplatz reduzieren oder verlassen. Stammkundinnen, die wegen Ihrer Arbeit kommen, wechseln den Buchungsweg problemlos mit, wenn er einfach ist.
Was kostet eine eigene Buchungsseite ohne Provision?
Mit ViteUneCoupe ist die eigene Buchungsseite dauerhaft kostenlos: unbegrenzte Online-Buchungen, 0 % Provision, Kundenkartei und Kalender inklusive, ohne Kreditkarte. Kostenpflichtig wird es erst, wenn Sie Zusatzfunktionen wie E-Mail-Terminerinnerungen und Kalender-Synchronisation wollen (Standard-Tarif, 29 € zzgl. MwSt. pro Monat, monatlich kündbar). Was fehlt, ist das Marktplatz-Publikum: Die Besucher Ihrer Buchungsseite müssen Sie selbst gewinnen, etwa über Ihr Google-Unternehmensprofil.
Gehören mir die Kundendaten, wenn Kunden über einen Marktplatz buchen?
Die Termindaten sehen Sie in der Regel in der Partner-Software der Plattform, aber die Kundin hat ihr Konto bei der Plattform, und deren Nutzungsbedingungen regeln, was mit den Daten geschieht, einschließlich eigener Marketing-Kommunikation der Plattform im Rahmen der erteilten Einwilligungen. Bei Direktbuchung über Ihre eigene Seite entsteht die Kundenbeziehung ausschließlich zwischen Ihrem Salon und der Kundin, und die Kundenkartei liegt bei Ihnen. Prüfen Sie in jedem Fall die Vertrags- und Datenschutzbedingungen des jeweiligen Anbieters, bevor Sie unterschreiben.