Friseursoftware wechseln: So ziehen Sie Ihren Salon ohne Datenverlust um
Viele Saloninhaberinnen und Saloninhaber bleiben jahrelang bei einer Software, mit der sie längst unzufrieden sind. Nicht, weil sie gut wäre, sondern weil der Wechsel nach Arbeit klingt: Was passiert mit der Kundenkartei? Mit den schon gebuchten Terminen? Und was, wenn das neue System auch nicht besser ist?
Die gute Nachricht: Ein Softwarewechsel ist planbar. Wer in der richtigen Reihenfolge vorgeht, verliert weder Daten noch Termine. Und wer den Nachfolger mit einem Buchungssystem ohne Vertragsbindung zuerst kostenlos parallel testet, geht praktisch kein Risiko ein. Diese Anleitung führt Sie Schritt für Schritt durch den Umzug: vom Blick in den alten Vertrag bis zu den ersten Wochen im neuen System.
Schritt 1: Prüfen Sie Ihren laufenden Vertrag
Bevor Sie irgendetwas Neues einrichten, holen Sie Ihren aktuellen Softwarevertrag hervor. Drei Fragen entscheiden über Ihren Zeitplan:
- Welche Laufzeit hat der Vertrag? Monatlich kündbar, 12 Monate, 24 Monate?
- Welche Kündigungsfrist gilt? 14 Tage, ein Monat, drei Monate zum Laufzeitende?
- Verlängert sich der Vertrag automatisch? Und wenn ja, um wie lange?
Die Bedingungen unterscheiden sich am Markt erheblich. Ein paar Beispiele, jeweils geprüft am 11. Oktober 2026 auf den offiziellen Seiten der Anbieter:
| Anbieter | Vertragsbedingungen laut eigener Website (Stand 11.10.2026) |
|---|---|
| Shore | Monatliche Zahlweise: kündbar mit 14 Tagen Frist zum Monatsende. Jährliche Zahlweise: Grundlaufzeit von 12 Monaten, danach kündbar mit 14 Tagen Frist zum Laufzeitende. Booking ab 49,90 € pro Monat zzgl. MwSt. bei jährlicher Zahlung |
| Studiolution | Monatstarif jederzeit kündbar, Jahrestarif läuft 12 Monate; laut Anbieter keine automatische Verlängerung in eine längere Laufzeit. Termine und Online-Buchung ab 22,95 € pro Monat zzgl. MwSt. |
| Salonkee | Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist für Deutschland auf der öffentlich zugänglichen Website nicht dokumentiert: vor Vertragsschluss schriftlich erfragen |
| Treatwell | Provisionsmodell: Provision auf die erste Buchung eines Neukunden, Folgebuchungen provisionsfrei. Preise und Vertragslaufzeit auf der Partnerseite nicht dokumentiert |
| ViteUneCoupe | Kostenlose Version ohne Vertrag, Standard-Tarif 29 € zzgl. MwSt. pro Monat, monatlich kündbar, keine Mindestlaufzeit |
Quellen: Shore Preise, Studiolution Preise, Treatwell Partnerseite.
Ein wichtiger Punkt für Sie als Unternehmerin oder Unternehmer: Die bekannten Verbraucherschutzregeln für Laufzeitverträge, etwa die monatliche Kündbarkeit nach einer automatischen Verlängerung aus § 309 Nr. 9 BGB, gelten unmittelbar nur für Verträge mit Verbrauchern. Ihren Salonsoftware-Vertrag schließen Sie als Unternehmer. Es zählt also in erster Linie, was in Ihrem Vertrag steht. Lesen Sie ihn genau, notieren Sie den letztmöglichen Kündigungstermin und kündigen Sie schriftlich mit Zugangsnachweis.
Wichtig: Kündigen Sie erst, wenn Ihr Zeitplan steht. Eine Restlaufzeit von zwei oder drei Monaten ist kein Problem, im Gegenteil: Sie verschafft Ihnen Zeit für einen sauberen Parallelbetrieb.
Schritt 2: Exportieren Sie Ihre Daten aus dem alten System
Ihre Kundenkartei ist das wertvollste Kapital Ihres Salons. Bevor Sie das alte System verlassen, sichern Sie:
- Kundendaten: Name, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und, falls gepflegt, Behandlungsnotizen wie Farbrezepturen
- Zukünftige Termine: alle bereits gebuchten Termine der kommenden Wochen und Monate
- Umsatz- und Buchungshistorie: mindestens als Archiv für Ihre Unterlagen, auch wenn das neue System sie nicht importiert
Die meisten Systeme bieten einen Export als CSV- oder Excel-Datei an. Suchen Sie die Funktion in den Einstellungen oder fragen Sie den Support direkt: "Bitte stellen Sie mir einen vollständigen Export meiner Kundendaten und Termine in einem maschinenlesbaren Format bereit."
Zwei rechtliche Punkte helfen Ihnen dabei, sauber zu argumentieren:
- Die Daten gehören in Ihre Verantwortung, nicht dem Anbieter. Datenschutzrechtlich sind Sie als Salon der Verantwortliche für die Kundendaten, der Softwareanbieter ist Ihr Auftragsverarbeiter. Nach Art. 28 DSGVO muss dieser Verarbeitung auf Grundlage eines Vertrags erfolgen, und nach Abschluss der Leistung sind die Daten nach Ihrer Wahl zurückzugeben oder zu löschen. Ihr Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) regelt die Details: Werfen Sie einen Blick hinein, bevor Sie den Support kontaktieren.
- Das Recht auf Datenübertragbarkeit aus Art. 20 DSGVO ist dagegen ein Recht Ihrer Kundinnen und Kunden Ihnen gegenüber, nicht Ihr Recht gegenüber dem Softwareanbieter. Es betrifft personenbezogene Daten, die die betroffene Person selbst bereitgestellt hat und die automatisiert auf Basis von Einwilligung oder Vertrag verarbeitet werden. Verwechseln Sie beides nicht: Ihr Anspruch auf den Export stützt sich auf Ihren Vertrag und den AVV.
Prüfen Sie den Export sofort nach dem Download: Öffnen Sie die Datei, zählen Sie stichprobenartig nach, ob die Kundenzahl plausibel ist, und kontrollieren Sie, ob Umlaute korrekt dargestellt werden. Ein fehlerhafter Export fällt besser jetzt auf als nach der Kündigung.
Schritt 3: Wählen Sie den Nachfolger bewusst aus
Der häufigste Fehler beim Wechsel: aus Frust über System A überstürzt zu System B greifen und dort in dieselben Fallen laufen. Nehmen Sie sich die Zeit für einen echten Vergleich der Terminsoftware für Friseursalons und prüfen Sie beim Nachfolger genau die Punkte, die Sie beim alten Anbieter gestört haben:
- Vertragsbindung: Gibt es eine Mindestlaufzeit? Monatlich kündbar?
- Kostenstruktur: Fester Monatspreis, Provision pro Buchung oder beides? Welche Funktionen kosten extra?
- Datenexport: Können Sie Ihre Daten später wieder herausholen? Wer Sie heute einsperrt, tut es auch beim nächsten Wechsel.
- Funktionsumfang: Brauchen Sie wirklich alles? Ein reines Terminbuchungstool ist günstiger als eine Komplettlösung mit Kasse, deckt aber auch keine Kassenpflichten ab.
Zur letzten Frage lohnt ein ehrlicher Blick auf das eigene Budget: Unser Artikel zu kostenloser und bezahlter Friseursoftware zeigt, welche Funktionen ein Salon wirklich braucht und wofür sich ein Bezahltarif lohnt.
An dieser Stelle in eigener Sache, mit offenen Karten: ViteUneCoupe ist ein reines Online-Terminbuchungstool eines französischen Anbieters, auf Deutsch verfügbar. Es ersetzt keine Kasse, keine Warenwirtschaft und keine Buchhaltung. Erinnerungen verschickt es per E-Mail, nicht per SMS. Dafür ist die Kernfunktion dauerhaft kostenlos: unbegrenzte Online-Buchungen mit 0 % Provision, eigene Buchungsseite, Leistungskatalog, Mitarbeiterpläne, Kundenkartei und Kalender. Der Standard-Tarif mit E-Mail-Bestätigungen, Erinnerungen und Kalender-Synchronisation kostet 29 € zzgl. MwSt. pro Monat und ist monatlich kündbar.
Schritt 4: Richten Sie das neue System parallel ein
Kündigen Sie das alte System nicht ab und stellen am selben Tag um. Lassen Sie beide Systeme einige Wochen parallel laufen:
- Neues System einrichten: Leistungskatalog mit Dauer und Preisen anlegen, Mitarbeiterpläne und Öffnungszeiten hinterlegen, Buchungsseite personalisieren. Planen Sie dafür realistisch zwei bis vier Stunden ein.
- Selbst testen: Buchen Sie sich als Testkundin einen Termin, verschieben Sie ihn, stornieren Sie ihn. Lassen Sie eine Mitarbeiterin dasselbe tun.
- Zukünftige Termine übertragen: Tragen Sie die bereits gebuchten Termine aus dem Export von Schritt 2 im neuen Kalender ein. Bei einem kleinen Salon ist das in ein bis zwei Stunden erledigt und zugleich eine gute Kontrolle der Daten.
- Stichtag festlegen: Ab diesem Tag laufen alle neuen Buchungen nur noch über das neue System. Das alte System bleibt bis zum Vertragsende als Nachschlagewerk lesbar.
Hier spielt eine kostenlose Version ihren größten Vorteil aus: Sie testen das neue System unter echten Bedingungen, ohne doppelte Kosten und ohne neue Vertragsbindung, während der alte Vertrag ausläuft. Gefällt es Ihnen nicht, löschen Sie das Konto und haben nichts verloren.
Ein ehrliches Wort zur Datenübernahme: Rechnen Sie nicht mit einem Knopfdruck-Import von jedem beliebigen Altsystem. Manche Anbieter bieten Konverter oder Importhilfen für bestimmte Quellsysteme an, etwa dokumentiert belbo für den Wechsel von Salonware die Übernahme von Kunden, Produkten und Gutscheinen. Ob und wie gut ein Import funktioniert, hängt immer vom konkreten Paar aus Alt- und Neusystem ab. Bei ViteUneCoupe planen Sie am sichersten mit manueller Einrichtung: Leistungen, Zeiten und Team tragen Sie selbst ein, und Ihre Kundinnen und Kunden legen ihr Profil bei der ersten Online-Buchung selbst neu an. Ihre exportierte Kundenkartei behalten Sie daneben als Archiv. Das klingt nach Mehrarbeit, hat aber einen Nebeneffekt: Ihre Kartei startet bereinigt, ohne Karteileichen aus zehn Jahren.
Schritt 5: Übergeben Sie die Daten DSGVO-konform
Während des Umzugs bleiben Sie durchgehend für die Kundendaten verantwortlich. Das heißt konkret:
- AVV mit beiden Anbietern: Solange der alte Anbieter Ihre Daten speichert und sobald der neue sie verarbeitet, brauchen Sie mit jedem einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO. Seriöse Anbieter stellen ihn standardmäßig bereit, oft zum Online-Abschluss.
- Sichere Übertragung: Schicken Sie Kundenexporte nicht unverschlüsselt per E-Mail durch die Gegend und lassen Sie die CSV-Datei nicht dauerhaft auf dem Rezeptions-PC oder einem USB-Stick liegen. Nach erfolgreichem Umzug: lokale Kopien löschen oder sicher archivieren.
- Löschung beim Altanbieter: Fordern Sie nach Vertragsende die Löschung Ihrer Daten beim alten Anbieter an und lassen Sie sich die Löschung bestätigen. Genau das sieht Art. 28 DSGVO für das Ende der Auftragsverarbeitung vor.
- Nur Nötiges übernehmen: Der Umzug ist der richtige Moment, Altlasten auszusortieren. Daten von Kundinnen, die seit Jahren nicht mehr da waren, müssen nicht ins neue System.
Wie Sie Ihre Kundenkartei insgesamt datenschutzkonform führen, von der Einwilligung bis zu Löschfristen, haben wir in einem eigenen Leitfaden zur DSGVO-konformen Kundenkartei im Friseursalon zusammengefasst.
Schritt 6: Informieren Sie Ihre Kundschaft
Der neue Buchungslink nützt nichts, wenn niemand ihn kennt. Rund um den Stichtag:
- Link überall austauschen: Website, Instagram-Bio, Google-Unternehmensprofil, E-Mail-Signatur, Aushang im Salon.
- Im Gespräch erwähnen: "Wir haben ein neues Buchungssystem, Ihren nächsten Termin können Sie direkt online buchen." Ein kleiner Kartenaufsteller an der Kasse mit QR-Code zur Buchungsseite wirkt Wunder.
- Bestehende Termine bestätigen: Kundinnen mit bereits gebuchten Terminen brauchen nichts zu tun, ihre Termine wurden übernommen. Sagen Sie das aktiv, das nimmt Verunsicherung.
- Alte Buchungswege stilllegen: Deaktivieren Sie die Online-Buchung im Altsystem zum Stichtag, sonst buchen Kundinnen parallel in zwei Kalender.
Die ersten Wochen im neuen System
Planen Sie nach dem Stichtag zwei bis vier Wochen erhöhte Aufmerksamkeit ein:
- Kalender doppelt prüfen: Gleichen Sie in der ersten Woche morgens den neuen Kalender mit Ihrer Erinnerung an übertragene Termine ab.
- Team mitnehmen: Jede Mitarbeiterin sollte einen Termin anlegen, verschieben und stornieren können. Zehn Minuten Übung ersparen Wochen an Rückfragen.
- Kundenfeedback ernst nehmen: Fragen Sie die ersten Online-Bucher kurz, ob alles verständlich war. Kleine Stolpersteine in der Buchungsseite, etwa missverständliche Leistungsnamen, lassen sich sofort beheben.
- Altsystem geordnet beenden: Vertragsende im Kalender notieren, letzten Export archivieren, Löschbestätigung einholen, Zahlungsdaten beim Altanbieter entfernen.
Nach einem Monat ist der Umzug Routine. Und beim nächsten Mal wissen Sie, worauf Sie schon bei der Auswahl achten: kurze Kündigungsfristen, dokumentierte Preise und ein Anbieter, der Ihnen Ihre Daten jederzeit wieder aushändigt.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert der Wechsel der Friseursoftware insgesamt?
Rechnen Sie je nach Kündigungsfrist mit einem bis drei Monaten vom Entschluss bis zur vollständigen Umstellung. Die reine Einrichtung des neuen Systems dauert bei einem kleinen Salon wenige Stunden; die meiste Zeit kostet die Restlaufzeit des alten Vertrags. Genau deshalb lohnt der Blick in den Vertrag als allererster Schritt.
Verliere ich beim Wechsel meine Kundendaten?
Nicht, wenn Sie vor der Kündigung einen vollständigen Export anfordern und prüfen. Ihr Softwareanbieter verarbeitet die Daten als Auftragsverarbeiter in Ihrem Auftrag und muss sie nach Art. 28 DSGVO am Ende der Zusammenarbeit zurückgeben oder löschen. Sichern Sie den Export, bevor der Zugang zum Altsystem endet.
Muss ich meine Kunden über den Softwarewechsel informieren?
Über den neuen Buchungsweg: unbedingt, sonst finden Ihre Kundinnen die neue Buchungsseite nicht. Datenschutzrechtlich bleibt der Verantwortliche derselbe, nämlich Ihr Salon; prüfen Sie aber, ob Ihre Datenschutzinformationen den neuen Auftragsverarbeiter korrekt nennen, und aktualisieren Sie sie bei Bedarf.
Kann ich das neue System testen, bevor ich den alten Vertrag kündige?
Ja, und genau das ist der sicherste Weg. Viele Anbieter bieten 14 bis 30 Tage Testphase. Bei ViteUneCoupe ist die Kernversion dauerhaft kostenlos und ohne Vertragsbindung: Sie richten Buchungsseite, Leistungen und Team ein und testen echte Buchungen, während das alte System weiterläuft. Der Standard-Tarif mit E-Mail-Erinnerungen kostet danach 29 € zzgl. MwSt. pro Monat, monatlich kündbar.
Übernimmt der neue Anbieter den Datenimport für mich?
Das ist von Anbieter zu Anbieter verschieden: Manche bieten Importhilfen oder Konverter für bestimmte Altsysteme an, andere nur einen CSV-Import, wieder andere gar keinen. Fragen Sie vor der Entscheidung konkret nach Ihrem Altsystem und lassen Sie sich die Antwort schriftlich geben. Verlassen Sie sich nie auf einen Import, den Sie nicht selbst mit einer Testdatei gesehen haben.